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Reportage

Auf der Suche nach dem Einhorn im Harz

von Wiebke Hillen  · 25.03.2020 · Reportage · Harz
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  • Foto: CC0, pixabay.com

Das Einhorn zählt zu den berühmtesten mythischen Wesen. Heutzutage wird es mit zahlreichen Produkten vermarktet. Im Harz ist eine Höhle nach ihm benannt, in der Forscher seine Knochen gefunden haben sollen. Gab oder gibt es das Einhorn etwa wirklich?



Das mythische Fabelwesen

Das Einhorn existiert seit Jahrhunderten. Schon Aristoteles erwähnte es in seinen Schriften und auch in der Bibel kommt das Tier vor. Die vielleicht erste Beschreibung stammt von Ktesias, Leibarzt am persischen Hof 400 v. Chr. Er beschreibt das Einhorn als pferdeähnlich mit weißem Körper, rotem Kopf und blauen Augen. Außerdem mit Horn auf der Stirn, schnell, kräftig und nicht zu fangen. Der Römer Claudius Aelianus ergänzte 600 Jahre später die Spiralform des Horns und gab an, dass das Einhorn durch weiblichen Einfluss gezähmt werden könnte. Dann kam es bei der Übersetzung der Bibel auch noch zu einem Fehler und das Einhorn war in die Welt gesetzt.

Bis nach Indien und China wollten Augenzeugen das Tier gesehen haben. Mit den Jahren wurde es mehr und mehr zu einem mythischen Fabelwesen mit magischen Kräften stilisiert, als Symbol von Edelmut und Güte und der ursprüngliche, vielleicht mal echte Kern ging verloren. Das Einhorn wurde zu einem sanftmütigen Beschützer der Natur, besonders wertvoll und scheu.

Knochenfunde in der Einhornhöhle

Die Einhornhöhle bei Herzberg-Scharzfeld ist die größte Besucherhöhle des Westharzes. Etwa 25.000 Besucher kommen jährlich, um den Ort zu besuchen, an dem Einhornknochen gefunden worden sein sollen.

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Die Höhle ist seit Jahrhunderten und Jahrtausenden bekannt, deshalb gibt es kein Endeckungsdatum – denn sie ist nie in Vergessenheit geraten. Urkundlich erwähnt wurde die Höhle zum ersten Mal im Jahr 1541 und bereits in der Neuzeit begann der Höhlentourismus. Mit Fackeln ausgestattet zogen die Besucher damals in die Höhle und hinterließen an den Höhlenwänden mit Ruß ihre Namen – wer am weitesten in die Dunkelheit vordrang, gewann die Bewunderung seiner Begleiter. Bekannte Persönlichkeiten wie Goethe und Leibniz besuchten die Einhornhöhle und bewunderten die verschiedenen Hallen und Räume.

Einhornzeichnung von Leibniz
Einhornzeichnung von Leibniz

Benannt wurde die Höhle nach dem Einhorn, da Knochen und Zähne hier gefunden wurden, die dem Fabelwesen zugeordnet wurden. Lange Zeit konnte sich niemand die Grabungsfunde erklären, sie passten zu keinem bekannten Tier – also wurden sie dem Einhorn zugeschrieben. Leibniz zeichnete in seiner „Protogaea” eine Rekonstruktion der Knochenfunde, die heute als Werbesymbol der Schauhöhle genutzt wird: Das Einhorn hat nur zwei Beine und die Wirbelsäule reicht vom Kopf bis zum Boden und stützt dadurch das zweibeinige Tier.

Doch was war nun mit den Funden der Einhornknochen? Jahrzehntelang wurden die Knochen ausgegraben, pulverisiert und als Einhornknochen ausgegeben und weiter verkauft. Denn das Horn des Einhorns galt als Medizin. Doch die Knochen in der Höhle gehören nicht zum Einhorn, sondern zu längst ausgestorbenen eiszeitlichen Tieren wie dem Höhlenbären und Höhlenlöwen. Aufgrund der ganzjährig niedrigen Temperatur von 7°C herrschen in der Höhle optimale Erhaltungsbedingungen für Knochen, sodass viel Material gefunden werden konnte.

Für immer ein mythisches Fabelwesen

Auch wenn es zahlreiche Versuche gab, das Einhorn in der realen Welt zu verorten, Vergleiche zu verschiedenen Tieren angestellt wurden und das eine oder andere gar als Einhorn gelten sollte, bleibt das Einhorn ein mythisches Fabelwesen. Es hat sich über so lange Zeit zu einem eigenständigen und sehr besonderen Wesen entwickelt, dass es heute nicht mehr möglich ist, das Einhorn mit einem gewöhnlichen Tier über einen Kamm zu scheren. Diese Erklärungen sind einfach zu banal für dieses mythische Tier.

Wer jedoch mal ein echtes Einhorn sehen will, sollte der Einhornhöhle im Harz einen Besuch abstatten. Die gefundenen Knochen stammen zwar nicht vom Fabelwesen, aber das Einhorn der Zeichnung von Leibniz wurde nachgebaut und steht nun bewachend vor dem Eingang der Einhornhöhle. Und bei einem Streifzug durch den schönen Wald kann man sich die Existenz eines Einhorns, das über diese Natur wacht, auch sehr gut vorstellen.


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Wiebke Hillen 
Aktualisierung: 25.03.2020


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